Trommelarten
Japanisches Trommeln – Klang trifft Kraft und Bewegung
Wenn wir von japanischen Trommeln sprechen, ist oft allgemein von Taiko die Rede. Das Wort bedeutet schlicht „große Trommel“. Die Trommel selbst ist die Daiko, das Trommelspiel hingegen wird als Taiko bezeichnet. In der heutigen Ensembleform, dem sogenannten Kumi-Daiko, werden verschiedene Trommeln gemeinsam gespielt. Diese moderne Form des Taiko-Ensembles entstand erst in den 1950er-Jahren, obwohl die Trommeln selbst in Japan eine viel ältere Geschichte haben. Sie wurden bei Festen, religiösen Zeremonien, im Theater, in der höfischen Musik und auch als Signal- und Kommunikationstrommeln eingesetzt.
Eine der bekanntesten Trommeln ist die Miya-Daiko. Sie hat einen fassförmigen Holzkorpus und zwei fest aufgenagelte Felle. Dadurch ist sie nur beim „Neu-Bespannen“ stimmbar, besitzt aber einen warmen, vollen und tragenden Klang. In vielen Ensembles bildet sie das klangliche Herzstück. Je nach Größe kann sie tiefe, kraftvolle Grundtöne liefern oder rhythmische Figuren klar und präzise tragen. Die Trommel wird häufig auf einem Ständer gespielt, kann aber je nach Stück auch schräg, waagerecht oder sehr tief positioniert werden. Je nach Größe und Bauweise der Miya-Daiko kann das Gewicht zwischen 10 und 35 Kilogramm betragen.
Besonders eindrucksvoll ist die O-Daiko, die „große Trommel“. Sie ist mit bis zu 70 Kilogramm die größte Trommel eines Ensembles und steht für Kraft, Tiefe und Präsenz. Die O-Daiko steht auf einem „Hohen Rahmen“ und wird meist über Kopfhöhe gespielt. So entsteht auf der O-Daiko ein sehr körperbetontes Spiel: Große Bewegungen, weite Schläge und eine stabile Haltung gehören dazu. Häufig wird sie für dramatische Höhepunkte eingesetzt oder als mächtiger Puls, der das gesamte Stück trägt.
Eine wichtige Rolle spielt auch die Shime-Daiko. Sie ist deutlich kleiner, besitzt aber eine sehr hohe Fellspannung. Im Gegensatz zu vielen fest bespannten Trommeln kann sie über Seile oder Schrauben nachgespannt und damit gestimmt werden. Durch die Metallverschraubung und den eingearbeiteten Metallring zur Stabilisierung des Trommelfelles ist sie trotz ihrer vergleichsweisen kleinen Größe, mit ihren 8 Kilogramm nicht gerade ein Leichtgewicht. Ihr Klang ist hell, klar und durchsetzungsfähig. In einem Ensemble übernimmt sie oft die Aufgabe, das Tempo zu halten, rhythmische Muster vorzugeben oder feine Unterteilungen hörbar zu machen. Man kann sie sich ein wenig wie das präzise Uhrwerk innerhalb des großen Trommelklangs vorstellen.
Die Okedo-Daiko unterscheidet sich deutlich in Bauweise und Klang. Ihr Korpus besteht meist aus einzelnen Holzleisten, ähnlich wie bei einem Fass, und die Felle werden mit Seilen gespannt. Dadurch ist sie mit einem Gewicht bis zu 6 Kilogramm die Leichteste im Ensemble. Okedo-Trommeln gibt es in verschiedenen Größen; manche werden auf einem Ständer gespielt, andere mit einem Gurt getragen. Besonders die tragbare Variante erlaubt viel Bewegung auf der Bühne. Der Klang kann je nach Größe und Spannung trocken, offen, tief oder sehr lebendig wirken.
Neben den Trommelarten ist auch die Spielweise entscheidend. Gespielt wird meist mit Holzstöcken, den Bachi. Je nach Art der Trommeln sind diese entweder kräftig gleichmäßig gearbeitet, zum Beispiel für die Miya-Daiko oder etwas konisch für einen besseren Klang an der Shime-Daiko. Wird die Okedo-Daiko zum Spielen mit einem Schultergurt umgehangen, so braucht es schmalere Bachis, da diese beim Spielen zwischen den Fingern gehalten werden. Dabei geht es nicht nur um Lautstärke oder Geschwindigkeit. Taiko verbindet Rhythmus, Atmung, Körperspannung und Bewegung. Jeder Schlag hat eine Richtung, eine Haltung und eine innere Energie. Mal entsteht ein ruhiger, erdiger Herzschlag, mal ein schnelles Wechselspiel zwischen mehreren Trommeln und mal ein kraftvoller gemeinsamer Akzent.
Typisch für Taiko ist außerdem das Zusammenspiel von Klang und Körper. Die Musikerinnen und Musiker stehen nicht einfach hinter ihren Instrumenten, sondern werden Teil der Musik. Schritte, Armbewegungen, Rufe und Blickkontakt unterstützen den Rhythmus. So entsteht eine Mischung aus Musik, Bewegung und gemeinsamer Energie.
Jede Trommel hat dabei ihre eigene Stimme: Die tiefe Kraft der O-Daiko, der volle Herzschlag der Miya-Daiko, die klare Führung der Shime-Daiko und die bewegliche Lebendigkeit der Okedo-Daiko. Zusammen entsteht der besondere Klang eines Taiko-Ensembles: kraftvoll, dynamisch, ursprünglich – und zugleich überraschend fein und vielseitig.
Neben den verschiedenen Trommeln gehören auch Rasseln, ein Gong, das Chanchiki und ein Tetsu zu unserem Ensemble. Sie verleihen dem Spiel kraftvolle Akzente oder auch kleine zarte, windspielähnliche Klänge.
Alle Instrumente zusammen, tonal und choreographisch aufeinander abgestimmt, verleihen dem Taiko-Spiel den unverwechselbaren Klang und dem Zuhörer ein fantastisches Erlebnis, zu dem sie recht herzlich eingeladen sind.
Der Klang unserer Instrumente ist nicht nur hörbar, sondern körperlich spürbar.
Text von Christina